Unser Dorf

Uneinigkeit in der Entstehungsgeschichte

Die Überlieferung von Urkunden bildete ein wertvolles Fundament der Siedlungsgeschichte unserer Region. Aber . . .

16. August 1170 Havelberg

 

Für die Entstehungsgeschichte des Ortes Trollenhagen ist die umstrittene Gründungsurkunde des Klosters Broda vom 16. August 1170 wichtig. Dass es sie gegeben hat, daran gibt es keinen Zweifel. Nur unterscheiden sich Original von weiteren Abschriften. Alles begann so: An diesem Tag, dem 16. August 1170, stiftete Kasimir I. von Pommern aus dem Greifenhaus (*nach 1130 - starb in der Feldschlacht 1182), anlässlich der Weihe des Doms zu Havelberg dem gleichnamigen Bistum, aus Dankbarkeit für die Reichtümer und Ehren, mit denen die Gnade Gottes ihn vor vielen andern Sterblichen überhäuft habe, unter Zustimmung seines älteren Bruders Bogislaw I. (*um 1130-1187), das Kloster Broda versehen mit angrenzenden Ländereien.

Siegel von Herzog Kasimir I. 1170, Nachzeichnung F.A. Vossberg 1854
Siegel von Herzog Kasimir I. 1170, Nachzeichnung F.A. Vossberg 1854

Benannt wurden 33 Güter der Region. Zu den geschenkten Dörfern gehörten: Bruode mit Markt, Krug und allen seinen Zubehörungen = Broda bei Neubrandenburg.

Im Lande Tollense: Woiutin = Weitin / Caminiz = Chemnitz / Wogarzin = Woggersin / Szilubin = Lebbin / Calubye = Kalübbe / Patsutin = Passentin / Wolkcazcin = Wulkenzin / Crukowe = Krukow / Michnin = Rehse / Pacelin = Penzlin / Vilim = Gr. Vielen / Vilim Carstici = Kl.Vielen / Cyrice = Hohenzieritz / Wuzstrowe = Wustrow, mit Burg und Dorf; ferner im Lande der Redarier, d.h. im Lande Raduir: Podulin = Podewall / Tribinowe = Trollenhagen? Oder Ort in der Gegend von Trollenhagen? / Cussowe = Küssow / Wigon = bei Woggersin / Tuardulin =  Warlin? / Dobre und Step = an deren Stelle befindet sich heute die Stadt Neubrandenburg / Rovene = Rowa / Priulbiz = Prillwitz / Nikakowe und Malke = unbekannt, östlich von Prillwitz? / Kamino = Cammin / Lang = unbekannt, bei Carlshof? / Riebike = Riepke / Tsaple = Sabel / Nimyrow = Nemerow / Stargard = heut Stadt, Burg Stargard / Malkow  = unbekannt bei Burg Stargard?.

Wenn man die alten slawischen Ortsnamen liest lassen sich heutige Ortsnamen wiedererkennen.

Geschichtliche Anmerkung zum Prämonstratenserkloster Broda: Gegründet wurde es am 16. August 1170. Nach neuesten Erkenntnissen geht man jedoch davon aus, dass der tatsächliche Baubeginn des Klosters Broda kaum vor 1240 erfolgt sein kann. Hauptaufgabe des Klosters Broda war die Christianisierung der unterworfenen Redarier und gleichzeitig die Grenzsicherung zum benachbarten Mecklenburg.

1551 ging das Kloster mit allen seinen verbliebenen Besitzungen an den Landesherren über. Aus dem Kloster Broda wurde ein herzogliches Amt. Schäden an der Bausubstanz dürften im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) eingetreten sein. 1631 unternahm der kaiserliche General Tilly (1559–1632) von hier aus den ersten, allerdings noch erfolglosen Versuch, Neubrandenburg zu erobern. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde anstelle des alten Amtshauses ein neues Amts– und Gutshaus errichtet. (Zusammengestellt aus Tollense-See.de und Wiki-KlosterBroda) Vorhanden waren weitere Klöster in der Region, das Franziskanerkloster in Neubrandenburg, ein Zisterzienser–Nonnenkloster befand sich in Wanzka und eine Johanniterkomturei bestand in Klein Nemerow.

Jedoch wurde die überlieferte Fassung der Gründungsurkunde in den darauffolgenden Jahrzehnten, als „Fälschung“ von Mönchen, vielleicht sogar direkt in der Kanzlei des Bischofs von Havelberg angefertigt, identifiziert. Allerlei Ungereimtheiten in der Ausführung kamen zu Tage und ließen damit den Schluss auf eine Fälschung zu. Trotzdem ist die Fälschung ein wertvolles Dokument, zur Siedlungsgeschichte unserer Region, geblieben. Schade nur, daß der Nachweis des Ortes Trollenhagen nicht genau beschrieben wurde. Es heißt - herausgelesen, nach meiner Übersetzung, „es wird angenommen“ – und das ist mit Sicherheit schon eine vernichtende Aussage, die nicht zu einer, wenn auch gern zu einer gewollten Stiftungsakzeptanz, hätte führen können.

Somit darf aus diesem Grund dem Ort Trollenhagen nicht das nachweisbare Gründungsjahr 1170, 16. August, zugewiesen werden.

Es bleibt eine (ungeklärte ?) Abweichung der Ersterwähnung des Ortes Trollenhagen von 138 Jahren !

Jedoch die Zeit wird (vielleicht) Gewissheit bringen !


So sah das Dorf 1945 aus der Luft aus

Das leicht gekrümmtes Angerdorf ist noch ziemlich erhalten. Der Anger an den Enden etwas zugespitzt, die Kirche in kreisrundem Kirchhof auf dem Anger, gegenüber eine Wegeinmündung quer zur Längsrichtung der Durchlaufenden Straße. Einige Bauerhöfe sind noch erhalten, mit quadratischem Wohnhaus an der Rückseite des Gehöftes, seitlich eine Scheune mit Querdiele und zwei Anklapps(1) daneben.
Der Gutshof am Nordende des Dorfes in ganzer Wördentiefe(2) nach Westen herausgebaut, regelmäßig von Gebäuden umschlossen, in der Mitte parallel zur Straße das Wohnhaus, dahinter der Hof, mit kleinen, schmalen Gebäuden umzogen. Seitlich daneben ein großer regelmäßiger Garten. 1929 bildet das lanzettförmige(3) Angerdorf die südliche Dorfhälfte, die Nordhälfte wird von dem vergrößerten Gutshof mit Garten eingenommen.

(1) Anklapps = Türen, Tore, überdachte angebaute Freifläche ?, (persönliche Übersetztng – R.P.)
(2) Wördentiefe = Wärden abgeleitet von „Der Werder“ in unserer Region (ist eine topografische Bezeichnung für aus Sumpf trockengelegtes und als Moorbesiedlung urbar gemachtes Land), tiefe – in dessen Richtung / Breite (persönliche Übersetztng – R.P.)
(3) lanzettförmige = lanzenförmig, spitz, schneidig

 


 

Unser Dorf 2017 - © Google Earth

‎14. ‎Mai ‎2018 Trollenhagen - auf der Kirchstraße / © Roland Pöschel
‎14. ‎Mai ‎2018 Trollenhagen - auf der Kirchstraße / © Roland Pöschel

 

Das sind sechs dezeit bekannte Ansichtskarten
des Dorfes Trollenhagen von 1905 bis 1935

(als historische Bilddokumente zu bewerten)

 

um 1905 - Bild links: Herrenhaus, mitte Kirche, rechts Wohnhaus (Inspektorhaus oder Rotes Haus), unten Garten
um 1905 - Bild links: Herrenhaus, mitte Kirche, rechts Wohnhaus (Inspektorhaus oder Rotes Haus), unten Garten
um 1905 - Bild l.o.- Herrenhaus; r.o.- Inspektorhaus, später Schule, Wohnungen und Gemeindehaus; l.u.- Kirche Südseite
um 1905 - Bild l.o.- Herrenhaus; r.o.- Inspektorhaus, später Schule, Wohnungen und Gemeindehaus; l.u.- Kirche Südseite
um 1915 - Bild oben - Dorfansicht; unten Schulhaus, Bild © Regionalmuseum Neubrandenburg
um 1915 - Bild oben - Dorfansicht; unten Schulhaus, Bild © Regionalmuseum Neubrandenburg
um 1915 - Bild oben - Herrenhaus, unten Park; Bild © Helmut Borth
um 1915 - Bild oben - Herrenhaus, unten Park; Bild © Helmut Borth
1933 - Herrenhaus, Bild © Regionalmuseum Neubrandenburg
1933 - Herrenhaus, Bild © Regionalmuseum Neubrandenburg
1935 - Herrenhaus
1935 - Herrenhaus

 

Historie des Dorfes Trollenhagen

Text nach Recherche © Roland Pöschel

 

Mittelalter (6. bis 15. Jahrhundert)

 

Mecklenburg war ursprünglich von germanischen Völkerschaften bewohnt.

 

Im 6. Jahrhundert drangen von Osten slawische Obotriten und Wilzen in das Land ein. Der Name Mecklenburg (Mikelenburg) taucht erstmals in einer Urkunde des Jahres 995 auf. Der Name übertrug sich in der Folgezeit auf ein hier beheimatetes Geschlecht slawischer Fürsten, dann auf das von ihnen beherrschte Gebiet.

 

Als Vasall Heinrichs des Löwen, nahm Pribislaw 1167 den christlichen Glauben an und das Land geriet unter deutsche Lehnsabhängigkeit. Dessen Vater Niklot, gefallen 1160 im Kampf gegen Heinrich d.L. in der Nähe seiner Burg Werle gilt jedoch als Stammvater des bis 1918 regierenden Fürstenhauses Mecklenburg.

 

18. August 1170 (Mecklenburgisches Urkundenbuch 95 /MUB95)

Bei der Wiederherstellung des Havelberger Domstifts, von Herzog Kasimir von Pommern gestiftet‚ (aus Dank für die Reichtümer und Ehren, mit denen die Gnade Gottes ihn vor vielen andern Sterblichen überhäuft habe, unter Beistimmung seines Bruders Bugeslav) wurden das Kloster Broda mit 33 Dörfer ausgestattete.

(Siehe oben: Uneinigkeit in der Entstehungsgeschichte)

 

13. Jahrhundert werden das Adelsgeschlecht derer von Rieben (wendischen Ursprungs) als Lehnsherren, auch das Gebiet um Trollenhagen in deren Verwaltung war, angenommen.

 

1308 wird ein Priester mit selbständiger Pfarre, Heinrich von Hogenhaven genannt, wahrscheinlich war sein Wohnort das heutige Trollenhagen.

 

1309 soll Fürst Heinrich II. dem Gerd Zechlin acht Hufen(4) geschenkt haben. Der Rest verblieb im Besitz der Familie Hohenhavel. Im Übrigen wird das Dorf vom 13. bis 15. Jahrhundert im Besitz der Familie Hogenhaven (Hohenhavel ?) gewesen sein.

 

1322 heißt der Ort Hohenhaufen. Die Witwe Adelheid Zierzow zu Neubrandenburg verlieh der von ihr und ihrem Manne in der dortigen Marienkirche gestifteten Dikarei(5) eine Rente von 20 Mk. aus dem Dorf. Das Patronat über diese Dikarei ging nach ihrem Tode auf das Kloster Wanzka über und wurde 1379 von diesem verkauft.

 

1322 werden als Hofbesitzer genannt: Hinrich Volrat, Henneke Deneste, Johannes de Houe, Lutbert, Hennike Zwerin, Hermann Zelten und Ludekinus.

 

1352 (nach Kühnel) villa Honhauen.

 

1447 der Ort hieß Tronhauen.

 

1458 verkaufte Zabel von Hohenhavel seinen Anteil an den Bürgermeister Glienicke zu Neubrandenburg. In anderer Quelle wird die Schreibweise des Ortes als Hohnhävel beschrieben.

 

1477 hieß Trollenhagen, Tronhaven (= tor Hohenhauven).

 

1496 hieß der Ort, Trullenhagen. Die Schreibweise von Dollenhagen wird erwähnt. Im Dorf saßen die Familien: Spisse, Wolter, Freiberg, Struwe, Lammerstorp, Monstermann, Schulte, Pomeler, Turck, Klyckow, Ihlenvelde, Wolkemann, Grabow, Reinicke, Paris und Simon.

 

1496 war der amtierende Pfarrer für Trollenhagen, Podewall, Küssow und Sponholz Hinricus Wulff.

 

 

Neuzeit (16. bis 19. Jahrhundert)

 

1508 lagen zehn Hufe wüst, zehn Höfe von je zwei Hufen und sechs Kossatenstellen waren belegt. Als neue Namen werden genannt: Rehbach, Bengerstorp, Bülow, Erike, Blydenagel, Boddeker, Engelke und Smyt.

 

1511 verkaufte Klaus von der Lühe zu Strietfeld die ihm nach dem Tode des Heinrich Zechlin verliehene Güter, darunter Besitz in Trollenhagen, an Henning Riebe.

 

1518 wurde Behrend Peckatel mit einem Teil belehnt.

 

1552 taucht der Ortsname Hohen Hauen (vielleicht Pertinenz(6) von Trollenhagen) auf, auch 1552 im dorpe Tronhagen. Ebenfalls wird die Schreibweise von Dollenhagen erwähnt.

 

1587/91 werden als bäuerliche Namen genannt: Zanske, Bruhn, Roloff, Rehberg, Wolter, Franecken, Scherf, Lammersdorf und Mesterknecht.

 

1620 verpfändete Behrend Peckatel zu Gevezien seinen Bauernhof daselbst an Joachim Quilitz zu Friedland. Dieser Bauernhof wurde 1631 und 1634 auch der Anteil des Jürgen Peckatel, an Otto Ihlenfeld verkauft.

 

In der Zwischenzeit: 1578 hatte Achim von Glöden zu Roggenhagen den Anteil der Gebrüder von Wohlde, 1587 den des Hasso von Rieben erworben und kaufte 1592 auch den Besitz derer von Manteuffel.

1633/34 brachten die Glöden durch Austausch in Neddemin auch den Ihlenfeldschen Anteil an sich, so dass Trollenhagen mit Recht ein Glödensches Gut genannt werden konnte.

 

1648 (?) Nach dem Dreißigjährigen Krieg waren noch fünf Bauernstellen im Dorf. Nach der Reformation war die Pfarre Filial von Neddemin. Zur Kirche gehört Buchhof.

 

1662 überließen die Gläubiger Otto von Glödens Trollenhagen an den fürstl. Hauptmann auf dem Amte Broda Georg Dölschow für 24.000 Gulden(7) – andere Quelle G. Völschow = 12.000 Taler(8), nach ausgebrochenem Konkurse.

 

1674 verkaufte die Witwe Glöden ihren Anteil an Christof von der Lanken für 2.000 Gulden. Des Georg Dölschow Erben wurden die Schwestern Emerentia und Liboria Stoppel, die an den Meckl. Kanzler Christoph und seinen Bruder Joachim Krauthoff aus der bekannten Neubrandenburger Familie verheiratet waren. Liboria war in zweiter Ehe mit dem pommerschen Hofgerichtsrat Christian Friedenreich vermählt. Diese verkauften den Pfandbesitz außer einem Kossatenhof(9), den 1691 Andreas Behm für 100 Gulden erwarb, an den Leutnant Friedrich Gottlieb Cossebade (Kosboth) auf Klausdorf für 16.200 Gulden.

 

1702 erwarb der Schloßhauptmann Adam Friedrich von Jasmund aus dem Hause Rödlin-Cammin Trollenhagen gegen Zahlung des Pfandschillings(10). Durch Austausch gegen Besitz in Neuenkirchen brachte er die von der Lankenschen zwei Bauernhöfe in seinen Besitz.

 

1732 ging Trollenhagen mit dem 1719 hinzugekauften Podewall an seinen Schwiegersohn Friedrich Ernst von Voß auf Giewitz über.

 

1760 verkaufte der Sohn von Friedrich Ernst von Voß auf Giewitz, der Havelberger Dompropst(11) und Geheime Legationsrat(12) Friedrich Christof von Voß, an den Landsyndikus(13) Andreas David von Röpert Trollenhagen.

 

1768 folgte sein Sohn, herzogl. Sachsen-Coburgischer Geheimer Conferenzrath Adolf Friedrich Albert Georg Christoph von Röpert im Besitz. Er war eifriger Freimaurer und erbaute für die Sitzungen der Loge „Adolf zum Ritterringe“ den großen Saal des Herrenhauses. Das Geheimnisvolle dieser Versammlungen gab zu mancherlei Gerüchten Anlaß, zumal von einem früheren Herrenhaus große Kellerein vorhanden waren. 1768 wurden vier Bauernstellen nach Podewall verlegt und eine eingezogen.

 

1781 – Handgemenge der Schäfer: Ratsprotokoll Punkt 38 vom 3. April. Der wortführende Neubrandenburger Bürgermeister, Herr Schroeder, berichtet seinen Ratskollegen von einer Beschwerde des Herrn von Röpert zu Trollenhagen über handfeste Auseinandersetzungen zwischen den Schäfern im Grenzbereich zwischen beiden Gemarkungen. 5. April. Nachdem einige alte erfahrene Bürger ausführlich über den Grenzverlauf befragt wurden, verfaßte der Rat ein entsprechendes Schreiben an Herrn von Röpert. Dieser aber bestritt den bislang unstrittigen Grenzverlauf und stellte Gebietsansprüche an die Stadt, berief sich auf alte Dokumente! Erst nach Monaten Streit endete die Geschichte mit dem Eingeständnis des Herrn von Röpert, er könne seine alten Dokumente nicht finden!

 

1806 verkaufte Georg Christoph von Röpert  das Gut an den Kammerherrn Johann Carl David Zimmermann von Nehringen, musste es aber nach einigen Jahren wieder zurücknehmen, weil die Zahlung Schwierigkeiten machte.

 

1822 wurde Trollenhagen an Carl Jacob Frodien für 96.000 Taler Gold verkauft.

 

1834 wurde der frühere Syndikus(14) von Neubrandenburg und Besitzer von Godenswege, Advokat Wilhelm Koch, für 120.000 Taler Gold Besitzer. Sein gleichnamiger Sohn erhielt 1845 den preußischen Adel von König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen, welche Ernennung Großherzog Georg von Mecklenburg Strelitz anerkannte und genehmigte.

 

1848 starb Wilhelm Koch und vererbte die Güter seiner Schwester Marie, die mit dem Advokaten Ludolf Siemerling aus Neubrandenburg verheiratet war. Der jetzige Besitzer wohnt hier, hat aber das Gut verpachtet (Pächter: Hoffmann).

Ludolf Siemerling kaufte das Gut dann selbst und machte 1881 die Güter Trollenhagen, Buchhof und Podewall zu einem Familiensideikommiß(15). Im gleichen Jahr starb er. Die Grabsteine der Eheleute und deren Kinder sind heute noch auf dem Kirchhof zu finden (derzeit-2017).

PS: Über den Gutsbesitzer Ludolf Siemerling der tyrannisierend mit List und Gewalt alles daran setzte Macht auszuüben um seine Ziele, die Herrschaft über Trollenhagen nebst Umgebung, durchzusetzen wiederspiegelt sich in Aufzeichnungen des ehemaligen Ortslehrers im Inhalt meines gleichnamigen Buches "Erinnerungen des ritterschaftlichen Lehrers Karl-Wilhelm-Heinrich Mieritz". Darin erfahrt ihr mehr über das historische Leben der Bevölkerung im 19. Jhd. unserer Region.

 

 

Neueste Geschichte (20. und 21. Jahrhundert)

 

1881 - 1914

1881 folgte der Sohn von Ludolf Siemerling, Dr. jur. Otto Siemerling, ein ewig kränkelnder Geizhals, im Besitz von Trollenhagen. 1902 ließ er die Dorfkirche umbauen und erneuerte den Glockenturm prunkvoll. 1914 ereilte ihn der Tod in Heidelberg, wo früher seine Schwiegereltern wohnten, auf einer Reise nach Italien.

 

1915 - 1945

1915 wurde neuer Besitzer von Trollenhagen, der Sohn der Schwester von Otto Siemerling, Dr. jur. Rudolf Grisebach. Er kam bereits im Sommer 1909 nach Trollenhagen und war mit der Aufgabe des Sachwalters betraut. Dieser war  auch 1934(?)  Verhandlungspartner gegenüber dem damaligen Reichsluftfahrtministerium, als es darum ging, einhundertzwanzig Hektar des Gutslandes für den Aufbau des Fliegerhorstes zu verkaufen.

Am 26. April 1945 flohen die Gutsherren, Familie Fides (geb. Blumenbach,06.10.1873-…29.10.1954) & Rudolf Grisebach (04.03.1871-…03.10.1949), Charlotte (03.01.1910-…23.10.1996) & Rolf Grisebach (letzter Gutsbesitzer von Trollenhagen,15.04.1901-…15.02.1971) kurz vor Beendigung des 2. Weltkrieges, am 08. Mai 1945, vor der Sowjetarmee.

 

 

Hinweis:

Die Grabstellen der Familie Grisebach befinden sich auf dem Kirchlichen Friedhof Bokhorst (Schillsdorf, Plön)

Quelle: genealogy.net, Bild ©Köll 2014

1945 - 1992

Die Verwaltung erfolgte nun über die Sowjetische Besatzungsmacht.

Aus dem Gutshaus wurde nach 1945 zuerst eine Flüchtlingsunterkunft. Später gehörte es der LPG. Dann kam eine Gaststätte hinzu. Hauptsächlich wurde der Saalanbau für öffentliche Veranstaltungen, Feste und Tanz genutzt. Wärend des sozialistischen Zeitalters wurde es weiter als Wohnhaus beansprucht. Um 1961 stürzte der Dachstuhl des Haupthauses ein und wurde notdürftig repariert.

 

Bei der 1962 durchgeführten Reparatur erhielt das Haus statt des Walmdaches lediglich Pappe und Wellasbest, dabei wurde auch das gesamte Haus glatt abgeputzt. Die letzte Bewohnerin zog 1992 aus. Zu diesem Zeitpunkt galt das Gutshaus bereits als teilweise einsturzgefährdet.

 

1991 - 2012

1991 Kaufte der Unternehmensberater Reinhard Grisebach (08.11.1938-…25.11.2012) das Haus seiner Kindheit samt Parkanlage von der Gemeinde Trollenhagen zurück. Seine Vorstellungen waren das gesamte Gutshaus zu sanieren. Begonnen wurde jedoch zuerst 1998 mit der Rekonstruktion des “Neubau“ inklusive der Freimaurer-Loge. Hierfür waren Fördermittel des Landes Mecklenburg Vorpommern bewilligt worden. Zwei Wohnungen sollten hier entstehen. Eine davon war als sein Alterssitz vorgesehen. Die Restaurierung des Saals sollte in der Folge kulturell genutzt werden. Im eigentlichen ursprünglichen älteren Herrenhaus waren Wohnungen im Obergeschoß sowie im Untergeschoß ein Softwarehaus oder Architekturbüro geplant. Die Wunschvorstellung von Reinhard Grisebach am Rand der Parkanlage eine Einfamilienhaussiedlung entstehen zu lassen, scheiterte aber an der Zustimmung und Genehmigung der Gemeinde Trollenhagen. Mit dem Erlös war angeblich die weitere Sanierung des Herrenhauses geplant. Leider sind die Arbeiten nach dieser Nichtzustimmung eingestellt worden und ruhen bis heute. Das Herrenhaus befindet sich zugewachsen im Dornröschenschlaf – 2018.

August 1999, Sanierungsarbeiten Bild © Helmut Borth
August 1999, Sanierungsarbeiten Bild © Helmut Borth
August 1999, Sanierungsarbeiten Bild © Helmut Borth
August 1999, Sanierungsarbeiten Bild © Helmut Borth

Ansichtskarte Herrenhaus Trollenhagen 1935
Ansichtskarte Herrenhaus Trollenhagen 1935
Bild © Roland Pöschel Herrenhaus Trollenhagen 2017
Bild © Roland Pöschel Herrenhaus Trollenhagen 2017

 

2012 - 2016

Erbe des Herrenhauses in Trollenhagen wurde, 2012 Wolfgang Neumann aus Münster, der Großneffe von Reinhard Grisebach. Das Herrenhaus selbst zu behalten kam für Wolfgang Neumann nicht infrage, da sein Lebensmittelpunkt in Münster lag. Das alte historische Gemäuer sollte somit verkauft werden unter der Argumentation einer Zwangsversteigerung um einen günstigen Kaufpreis von 1/3 des Marktpreises zu bekommen. Weitere Phantastereien als Verkaufsargumente waren die Errichtung eines Tennisplatzes oder einer Pferdezucht in der Parkanlage, wärend dessen im Herrenhaus Mietswohnungen entstehen sollten. Diese hätten durch die Einnahmen investierte Kauf- und Baukosten zurück gebracht bis hin zur Erzielung von Gewinn auf längere Zeit gesehen. Quelle: NK-Artikel, 27.04.2016 S.17

 

 

2016 - ?

Am 02. Mai 2016 kam es zur Zwangsversteigerung beim Amtsgericht Neubrandenburg. Der Verkehrswert lag bei 155.000 Euro. Für 77.500 Euro plus 10% = 15.500 Euro Sicherheitsleistung wurde es an den einzigen Bieter, dem Arzt Ibrahim Mohamed mit kurdischen Wurzeln aus Berlin im Beisein seines Freundes, Bauunternehmer Abdülkerim Cikan, verkauft. Sein Wunsch war es ein Schloss mit großem Grundstück zu besitzen mit dem Resultat eines Wohn- und Ärztehaus in unserer strukturschwachen Region entstehen zu lassen. Nach eigenen Angaben schwebten ihm weitere fünf bis zehn Schlösser um Neubrandenburg vor die er ebenfalls sein Eigen nennen möchte. Quelle: NK & AK-Artikel , 03.05.2016 S.24 und 10.02.2017 S.17

 

 

Bedeutung der Worte vom Mittelalter bis zur Neuzeit

 

(4) Hufe, Merz. Hufen = Wort für Gemarkungs- und Hofgrößen, von Ort zu Ort unterschiedlich - meistens 30 Morgen (1 Morgen = ¼ Hektar, 1 Hektar = 10.000 m²

(5) Dikarei = Kirchliche Kanzlei, Notariat

(6) Pertinenz = Zubehör im Rechtssinn: Sache oder Recht als rechtlicher Bestandteil einer anderen Sache.

(7) Gulden = Mittelhochdeutsch, guldin (pfenni(n)c/florin) oder Goldmünze – ab dem 16. Jh. vorwiegend als Silbermünze vorhanden. Um 1700 besaß ein Gulden etwa die Kaufkraft, die heute 40–50 Euro entspräche (2011).

(8) Taler = bedeutende europäische Großsilbermünze, die ihren Ursprung im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation hatte. (1 >Reichs<Taler = 24 Gute Groschen = 1 ½ Gulden = 90 Kreuzer)

(9) Kossatenhof = Bestehet aus einer Hütte oder einem kleinem Haus mit Garten, dessen Besitzer (Kossat) zur Leistung von Abgaben und zu Handdiensten verpflichtet, aber nur in Ausnahmefällen zur Bebauung eines eigenen Ackers und zur Pferdehaltung berechtigt ist.

(10) Pfandschilling =  durch Pfand gesicherter (Darlehens-) Betrag. Oder Pfandbesitz, besonders verpfändete Zinsen, Erträgnisse von Grundstücken oder Herrschaftsrechten, auch das verpfändete Grundstück selbst.

(11) Dompropst = Der Propst ist der Leiter der äußeren Angelegenheiten eines Dom- oder Stiftskapitels (Stiftspropst, Dompropst).

(12) (Geheimer) Legationsrat = Amtstitel für höhere Beamte, welche einem Gesandten beigegeben sind. Geheime Gesandschaft,  Geheimer Botschaftsrat.

(13) Landsyndikus = hoher landständischer Beamter.

(14) Syndikus = ist ein Rechtsanwalt, der aufgrund eines ständigen Dienst- oder ähnlichen Beschäftigungsverhältnisses seine Arbeitszeit und -kraft einem nichtanwaltlichen Arbeitgeber (z. B. Unternehmen, Verband, Stiftung) zur Verfügung stellt.

(15) Familienfideikommiß = ist ein Sondervermögen einer Familie (Obereigentümer), das ungeteilt in der Hand eines Familienmitgliedes (Nutzeigentümer) blieb. Der Inhaber erhielt nur den Ertrag des Vermögens zur freien Verfügung. Vollstreckungen in das Vermögen wegen Schulden des Inhabers waren ausgeschlossen. Dadurch blieb die vermögensrechtliche Grundlage für eine Familie und ihre soziale Stellung gesichert. Das Fideikommiss beruhte auf rechtsgeschäftlicher Stiftung – zum Beispiel durch testamentarische Bestimmung; die Erbordnung (in der Regel Primogenitur) legte der Stifter fest. Das Familienfideikommiss ist rein privat-rechtlicher Natur und ist damit zu unterscheiden vom (allodifizierten) Lehen, das auch öffentlich-rechtliche Merkmale aufweist.

(1-15) Quellen:

1.) Deutsches Rechtswörterbuch (DRW) der Heidelberger Akademie der Wissenschaften

2.) Wikimedia Foundation Inc., www.wikipedia.org

3.) ENZYKLO - Online Enzyklopädie, www.enzyklo.de

4.) MDZ Münchener DigitalisierungsZentrum, lexika.digitale-sammlungen.de